Runst im Hainich
Auch der Hainich-Rennstieg weist nur sanfte Höhenunterschiede auf und verbindet Landschaften und Lebensräume wie Eichsfeld und Hörseltal oder Werra und Unstrut, die auch im KFZ-Zeitalter nur umständlich erreichbar sind, auf überraschend kurze und bequeme Weise. Kein Talgewirre, kein Dickicht, dafür schattiger Hochwald. Leicht einzusehen, dass diese Wege in früheren Zeiten eine gewisse Bedeutung hatten.
Der Hainich- Rennstieg beginnt in Eigenrieden bei Mühlhausen und führt über Heyerode, Struppeiche, Reckenbühl, Ihlefeld, Craulaer Kreuz in den Behringer Park. 31 km sind zu bewältigen. Traditionell wird dies in 2 Tagesmärschen mit Übernachtung in den Wanderhotels in Kammerforst und Mihla bewältigt, da es unterwegs viel zu sehen gibt: Mühlhäuser Landgraben, Grenzhaus Heyerode, die Klüfte des Winterstein, Mareillebank, ein Abstecher zur Burgruine Haineck, Rastplatz Reckenbühl, Ihlefeld mit den Kreuzen, Craulaer Kreuz, Alter Berg mit Blick auf den Russenschießplatz, eventuellen Abstecher zum Skulpturenwanderweg Hütscheroda / Heßwinkel und schließlich der sehenswerte Behringer Park
Bereits früh im 20. Jahrhundert kam die Wandertradition im Hainich auf, Kundige nennen die Tour "Hainich-Runst" und beginnen und enden mit dem Ruf "Gut Runst", bei dem sich alle Gefährten im Kreis an den Händen fassen.
Runst kommt übrigens von "rennen" - wie Kunst von kennen oder Brunst von brennen. "Gut Runst!" heißt also nichts anderes als: Gute Rennsteigfahrt, frohes - mitnichten eiliges - Wandern auf allen Rennsteigen und Rennwegen!
Gut Runst! Gut Runst, Gut Runst!
Oh lebe fort auf edle Art,
du herrlich schöne
du schöne Rennsteigfahrt!


Bereits Anfang des 20.Jahrhunderts war der Rennstieg schon markiert, im Gegensatz zum Rennsteig jedoch mit einem unterstrichenen "R".
Das Wegzeichen "R" ohne Unterstrich des Thüringer-Wald-Rennsteiges wird übrigens "Mareile" genannt, nach dem Kosenamen für eine fesche Försterstochter. Daß sich ein regelrechter Mareile-Kult mit Gedichten u.s.w. in der Rennergemeinde entwickelte - "Mareile" heißt sogar die Vereinszeitschrift-, wird eher auf eine Verselbständigung zu einem Vereinsmythos in typischer Kaiser-Wilhelm-Zeit-Manier zurückgeführt als auf die schon bald verheiratete echte Mareile.
Die Mareile-Bank des Hainich erinnert an Jutta Müller aus Langula aus der Wanderbewegung Anfang des 20.Jahrhunderts, die nach einer Rennsteigrunst den "Wanderernamen" Mareile erhielt.
Wandern heutzutage
In den Zeiten der Armeesperrgebiete verwilderte der südliche, im Staatsforst gelegen Teil des Hainich-Rennstieges, lag zum Teil "unter Beschuss". Enthusiasten suchten deshalb nach der Vereinigung erst mühsam nach verwachsenen Baumzeichen und alten Karteneintragungen. Mittlerweile ist der gesamte Rennstieg gut begehbar und markiert, wenngleich ab und zu immer noch nicht mehr als ein schmaler Waldpfad. Empfehlenswert ist es, sich den ausgebildeten Führern des Nationalparkes anzuvertrauen, die manch versteckten Ort kennen und ganz sicher einiges zur uralten Geschichte und Natur erzahlen können.
Der Rennstieg führt größtenteils über lichte Wege durch Buchenhochwald, auch entlang etlicher Hochwiesen. Besonders im April ist der ganze Waldboden mit Frühblühern bedeckt.
Wer Ruhe, Erholung und ursprüngliche Natur sucht, ist hier richtig. Auch zur Hochsaison sind Begegnungen mit anderen Wanderern eher selten. Nur an den Versorgungspunkten trifft man sicher ein paar Leute, aber Versorgungspunkte sind dünn gestreut. Dafür gibt es viel Natur und der Rennstieg quert den Nationalpark.
Der Rennstieg ist das Herz des Hainich und (noch) ein Geheimtipp.